Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Völkerschlachtdenkmal

Europas größter Denkmalsbau wird saniert

Das am Ende des 19. Jahrhunderts projektierte Völkerschlachtdenkmal entstand in der Frühzeit der Betonbaukunst. Unzureichende Erfahrungen mit modernen Werkstoffen, eigentümliche konstruktive Lösungen und ungenügend durchdachte Details ließen bereits wenige Monate nach der Denkmalweihe erste Mängel am Bauwerk sichtbar werden.

Seit seiner Einweihung hat das Monument keine umfassenden Maßnahmen zu seiner grundhaften Erhaltung und Sanierung erfahren. Bauphysikalische und -technische Unzulänglichkeiten, die Auswirkungen von Kriegen und Wirtschaftskrisen sowie verwalteter Mangel ließen einen Sanierungsstau entstehen.

Am 14. Juli 1999 erklärten die gewählten Vertreter der Stadt Leipzig ihren Willen, „das Völkerschlachtdenkmal ... als eine der herausragendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und als Kulturdenkmal ersten Ranges, als Ort lebendiger Erinnerung, Erlebnisraum und Stätte offener Kommunikation in einem europäische Identität stiftenden Sinne herauszubilden ...”
Nach umfassenden Bauzustandsdiagnosen, Planungsarbeiten und Detailanalysen wurde ein Konzept für die Gesamtsanierung einschließlich Nutzungserweiterungen und notwendiger Modernisierungsmaßnahmen erarbeitet, dessen Hauptbestandteile bis zum 100. Jahrestag der Denkmalsweihe am 18. Oktober 2013 umgesetzt werden sollen.

Bisher wurden folgende Maßnahmen realisiert

FORUM 1813

Nach intensiven Umbauarbeiten bis dahin ungenutzter Räumlichkeiten des Denkmals konnte im Mai 1999 das FORUM 1813, ein neues Museum zur Geschichte der Völkerschlacht, eingeweiht werden.

Personenaufzug

Im April 2003 wurde der in den Wirren des Kriegsendes demontierte Personenaufzug wieder eingebaut und in Betrieb genommen.

Besucherservicezentrum

Nach Jahrzehnten der Provisorien erhielt das Völkerschlachtdenkmal im Oktober 2003 ein modernes Besucherzentrum mit Denkmalskasse, Shop, Sanitärbereich und Informationszone.

St. Michael-Plateau

Im Sommer 2003 begann die Sanierung des auf einem völlig ungeeigneten Untergrund errichteten großen Plateaus vor dem Schlachtrelief mit einer Bohrpfahlgründung. Die Arbeiten wurden im Herbst 2004 mit dem Aufbringen neuer Natursteinplatten abgeschlossen.

Kriegsschaden Ruhmeshalle

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs trug das Völkerschlachtdenkmal starke Schäden durch Artilleriebeschuss davon. Im Frühjahr 2004 wurden die Arbeiten an der Beseitigung eines großflächigen Granatentreffers im Inneren der Ruhmeshalle abgeschlossen.

Barrierefreier Zugang und untere Erschließung

Seit Sommer 2004 liefen die Arbeiten für einen barrierefreien Zugang über das Michaels-Plateau und die Erschließung des Völkerschlachtdenkmals über den Gründungsbereich. Am 28. April wurde der neue Zugang eröffnet. Ein Personenaufzug führt bis zur Denkmalskrypta. Seit der Fertigstellung einer Rampe besonders für Rollstuhlfahrer im Herbst 2007 ist der treppenfreie Zugang zum Denkmalsareal über die Wälle aus Richtung der Straße An der Tabaksmühle möglich.

Sanierung Gipfelstein, Denkmalskrone, Freiheitswächter und Außenrundgang

Die Arbeiten an der Natursteinfassade des Monuments haben 2004 begonnen und werden in den kommenden Jahren von oben nach unten fortgesetzt. Im Bereich von Gipfelstein, Denkmalskrone, Freiheitswächtern und oberem Außenrundgang ist die äußere Sanierung bereits abgeschlossen. 

Sanierung der Entwässerung

Das defekte Entwässerungssystem durchfeuchtete bislang den massiven Betonkern zusätzlich. Die acht vertikalen Entwässerungsstränge wurden per Inline-Verfahren funktionstüchtig gemacht. Regen- und Schmelzwasser wird nun wieder geregelt in die Sickerbrunnen im Gründungsbereich eingeleitet.

Sorptionstrocknungsanlage und Blockheizkraftwerk

Im Dezember 2006 wurde eine Sorptionstrocknungsanlage im Denkmalsinneren in Betrieb genommen. Stark vorgetrocknete und erwärmte Luft wird in das Denkmal geleitet. Durch allmähliche Erhöhung der Innentemperatur wird die Bildung extremer Mengen an Kondenswasser gemindert.

Gegenwärtig laufen folgende Sanierungsarbeiten

Sanierung der Außenhaut

Zurzeit erfolgen Dichtungsarbeiten, Natursteinreinigung und -konservierung, Ersatz von Fehlstellen im Naturstein und Neuverfugung der Quader im Bereich der so genannten Rustika unterhalb des oberen Außenrundgangs (+57 m).

Sanierung der Reiterkuppel

Die seit August 2006 aufgebauten Gerüstkonstruktionen verdecken die innere große Reiterkuppel. Wie im gesamten Bauwerk hat auch hier eindringende Feuchtigkeit beträchtliche Schäden verursacht. Nach der technischen Trocknung der Kuppel erfolgt die Restaurierung der geschädigten Reiterfiguren und die Wiederherstellung der alten Farbfassung.

Rekonstruktion der Bildglasfenster

Die durch den Beschuss des Denkmals am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten Bildglasfenster in der Ruhmeshalle werden rekonstruiert. Erste Probeachsen dienen der Festlegung von Glasstrukturen und Farbintensität.

Detaillierte Informationen erhalten Sie im Besucherservicezentrum am Denkmal.

 

Erdarbeiten im Rahmen der umfassenden Sanierung am Plateau vor Sankt Michael, 2004
 

Südöstliche Seite des Denkmals mit dem 62 Meter langen, um 10 Grad geneigten Schrägaufzug für den Materialtransport
 

Einweihung des Aufzugs von der Krypta zum oberen Außenrundgang, 2. April 2003
 

Servicezentrum
 

Bauarbeiten auf der Aussichtsplattform
 

Freiheitswächter an der Denkmalskrone
 

Sanierung des Kriegsschadens in der Ruhmeshalle
 

Montage des Innengerüsts für die Sanierung der Reiterkuppel, Sommer 2006
 

Zeichnerische Darstellung für die Rekonstruktion der Bildglasfenster in der Ruhmeshalle
 

 

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