Transformationszeit der 90er in Leipzig
15.09.2025
Jahresausstellung »Zwischen Aufbruch und Abwicklung. Die 90er in Leipzig« erfolgreich zu Ende gegangen
Und wie haben Sie die 90er in Leipzig erlebt? Das Museum widmete dieser Frage erstmals eine eigene Ausstellung, ein ganzes Jahr lang. Die Sonderschau »Zwischen Aufbruch und Abwicklung. Die 90er in Leipzig« samt umfangreichem Begleitprogramm bewegte rund 25.000 Gäste zu einer Sicht auf jene umbruchvolle Zeit. Die Ausstellung spannte mit etwa 400 historischen Zeugnissen den Bogen von der Friedlichen Revolution bis ans Ende der 90er Jahre in Leipzig. In der sog. Wechselvitrine wurden über den Ausstellungszeitraum insgesamt acht Geschichten von Leipziger Vereinen, Initiativen und Privatpersonen vorgestellt. Zur Sonderausstellung ist zudem das gleichnamige Buch erschienen und für 15 Euro an der Ticketkasse des Museums erhältlich. Der »Freiraum« – das offene Forum der Ausstellung lud ein, sich mit aktuellen Sichtweisen auf die 90er auseinanderzusetzen. Veranstaltungen, darunter zahlreiche 90er-Talks, eine Filmreihe, Dialog-Donnerstage und On-Tour- sowie Outreach-Angebote zählten knapp 3.500 Gäste. Möglich wurde dies durch das Engagement zahlreicher Unterstützerinnen und Partner, auch dank der Förderung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
»Diese Ausstellung kam für uns als Museum und für die Stadt Leipzig zur absolut richtigen Zeit. Der große Publikumszuspruch und die überwältigende Fülle der Meinungsäußerungen in den Veranstaltungen und Dialogebenen der Ausstellung zeigt, dass es richtig, wichtig und für die Stadtgesellschaft auch heilsam war, die Hoffnungen, Brüche und Verwundungen dieser heftigen Transformationsperiode nochmals vorurteilsfrei anzugehen und dabei bewusst auch konträre Positionen zuzulassen. Diese Jahre haben das gegenwärtige Leipzig geprägt und sie sind noch heute in den Menschen, Strukturen und dem Erscheinungsbild der Stadt so stark präsent, dass wir wichtige Objekte und Erträge der Sonderschau jetzt auch in die Dauerausstellung im Alten Rathaus übernehmen wollen. Diesen bürgernahen Weg einer multiperspektivischen Erinnerungsarbeit werden wir auch generell entschlossen weitergehen«, so Museumsdirektor Dr. Anselm Hartinger.
»Rückblickend war die Ausstellung mit dem Freiraumangebot hinsichtlich der Rückkopplung an die Stadtgesellschaft ein großer Erfolg. Mit über 50 Veranstaltungen haben wir eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Menschen aus Leipzig und weit darüber hinaus erreicht, darunter viele, die das Museum vor der Ausstellung noch nicht besucht hatten. Vielen Perspektiven und Geschichten wurde hier Raum gegeben. Wir hoffen, dass diesem Schritt hin zu einem offeneren Museum, das sich nicht davor scheut, über historische Themen auch kontroverse und aktuelle Debatten der Stadtgesellschaft anzupacken, viele weitere auf diesem wichtigen Weg folgen werden.« Annemarie Riemer, Bildung & Vermittlung im Ausstellungsprojekt 90er
» Mit der »Unsere 90er«-Projektgruppe, Dialog-Donnerstagen, Erzählcafés, dem »Zeitreise«-Projekt, der Wanderausstellung und der »Mit dem Trabi in die 90er«-Aktion auf dem Markt, sind wir als Stadtgeschichtliches Museum aktiv in die Auseinandersetzung mit der Stadtgesellschaft gegangen. In der Wechselvitrine ergänzten über den gesamten Zeitraum acht Geschichten, Personen und Initiativen eben wechselnd und temporär die Ausstellung. Das Museum hat so einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der intensiven Umbruchszeit nach der Wende geleistet, der – wie einige zuletzt erschienene Bücher – lokal wie gesamtgesellschaftlich nur ein Auftakt sein kann. Ich hoffe, dass wir mit unserem Programm die Auseinandersetzung mit dem postsozialistischen Transformationsprozess in Ostdeutschland weiter anstoßen konnten. Bleibende ökonomische Ungleichheiten und Mentalitäten unterstreichen die Notwendigkeit hierfür. Tim Rood, Co-Kurator in der Ausstellung und verantwortlich für Outreach & Museumsentwicklung am Museum
Das Ausstellungs-Team ebenso Kolleginnen und Kollegen des Museums danken ganz herzlich allen Gästen, Mitstreiterinnen und Partnern der Ausstellung und Programme; auch den Förderern des Projektes, ohne die das Projekt längst nicht in dem Umfang hätte begleitet werden können.
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