Worauf Sie sich freuen können!

Von Dr. Maike Günther und Ulrike Dura

Nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten seit 2019 werden die Museumsräume des Hauses Zum Arabischen Coffe Baum 2025 wieder eingerichtet. Die Ausstellung zur Leipziger Kaffeehauskultur wird inhaltlich wie gestalterisch in einem völlig neuen Gewand erscheinen. Mit der Wiedereröffnung des Museums am 01. Juli 2025 können die 16 Räume mit ihren vielseitigen Erzählungen zur sächsischen und Leipziger Kaffee und Kaffeehausgeschichte, zur Historie des traditionsreichen Künstlercafés, aber auch zu den weniger schönen Seiten des Kaffeeanbaus und Kaffeehandels wieder in Augenschein genommen werden. Einige wenige Geschichten rund um das Haus und die Kaffeegeschichten seien vorab erwähnt.

Von Blümchen und Bohnen

Blümchenkaffee war bereits zu Beginn des 19. Jh. bekannt: ein Kaffee so rein und klar, dass man die gemalten Blümchen am Tassengrund sehen konnte.

Kaffeetopf, Leibzch’scher Bliemchengaffee, Porzellan, 1995/2000, Inv.-Nr.: K/277/2000

Bis etwa 1800 bedeutete Blümchenkaffee den Besitz von wertvollem Porzellan und echtem Bohnenkaffee. Nach 1800 wechselte die Bedeutung. Im industrialisierten Sachsen wurden Unmengen an Kaffee gebraucht, der Kaffee entsprechend mit Wasser gestreckt. Blümchenkaffee sei nun aus sieben Bohnen auf 14 Tassen gekocht, also ein sehr dünner Aufguss.

Der wachsenden Arbeiterschicht half das dennoch belebende Getränk über den langen Arbeitstag in der Fabrik. Das Bild des Sachsen, der dünnen Kaffee trinkt verbreitete sich rasch. Als volkstümliche Klischees geistern die Begriffe Gaffeesachsen, Bliemchengaffee oder das Scheelchen Heeßer bis heute durch den Sprachschatz und fanden Einzug in die sächsische Mundartdichtung, darunter die von Edwin Bormann. Der pries 1899 den dünnen Blümchenkaffee in seinen Tischkartenversen:

»Manche Velker, ’s is ’ne Sinde, Drinken Gaffee dick wie Dinde. Eene Bohne schon geniegt, Dass sich’s Sachsenherz vergniegt.«*

* Manche Völker, es ist eine Sünde, trinken Kaffee dick wie Tinte. Eine Bohne schon genügt, dass sich das Sachsenherz vergnügt.

Eine heiße Liebe – Die Kaffeesachsen

Einer gut gepflegten Legende nach verschwanden im Siebenjährigen Krieg sächsische Soldaten mit dem Spruch »Ohne Gaffee genn mr nich gämbbfn«* vom Schlachtfeld. Der Preußenkönig Friedrich der Große soll sie daraufhin als »elende Kaffeesachsen« beschimpft haben.

Leipziger Stadtsoldaten in der Wachstube beim Kaffee und Tabak, Aquarell, Christian Gottried Heinrich Geißler (Zeichner), Leipzig, 1787, Inv.-Nr.: K/731/2005

Sächsische Truppen desertierten in der Tat aus der Preußischen Armee nach 1756. Ob es dabei wirklich am fehlenden Kaffee lag, der auch ein wichtiger Bestandteil der sächsischen Heeresverpflegung war, bleibt zu bezweifeln. Vielmehr waren es die Zustände und die Repressalien, die die zwangsrekrutierten sächsischen Soldaten zur Flucht bewegten. Friedrich war zwar dem Kaffee zugetan, aber weniger der teuren Importbohne als vielmehr dem Kaffeeersatz aus Zichorie. Seinen Untertanen empfahl er aber Biersuppe als traditionellen Frühstückstrunk. Seit 1781 herrschte in Preußen ein staatliches Röstmonopol.

Um dem illegalen Rösten entgegenzuwirken, wurden ausgediente Soldaten als sog. Kaffeeriecher eingesetzt. Sie zogen von Haus zu Haus, um den Duft von frisch geröstetem oder gekochtem Kaffee aufzuspüren, jedoch mit mäßigem Erfolg.

* Ohne Kaffee können wir nicht kämpfen.

Heilkräftig oder dekadent, der Kampf um die Kultbohne

Schon bald nach seiner Ankunft in Europa ertönte gegenüber Kaffee und Kaffeetrinkern der Vorwurf luxuriöser Allüren.

Bilderbogen aus »Das Buch für Alle«, Humoristisches auf den Kaffee, Adolf von Fischern (Zeichner), 1884, Inv.-Nr.: K/76/2000

In der Tat war Kaffee zunächst so teuer, dass sein Genuss ein gewisses gesellschaftliches Prestige vermittelte. Das neue Getränk machte beim Adel wie im Bürgertum Furore und eröffnete den Streit der Gelehrten um seine Wirkung auf Geist, Körper und Gesundheit: Kaffee stärke den Magen, sei gut gegen Tumore und Beschwerden von Leber und Milz und vertreibe die Melancholie. Er biete nicht nur perfekten Ersatz zum Alkoholgenuss, sondern befördere die geistige Leistung und verlängere das Leben. Unerwünschte Wirkungen seien Ohrensausen, Kopfweh, Schwindel oder Hämorrhoiden. Mediziner des 17. Jh. empfahlen sogar eher den Besuch eines Kaffeehauses als den der Apotheke. Den Gelehrten und Dichtern galt Kaffee nach seiner Einführung als Mittel zur »Beförderung der Dichterkraft«. Goethe war als Student in Leipzig ein begeisterter Kaffeetrinker, später aber einer der eifrigsten Kritiker des Kaffeegenusses im Übermaß. Er sinnierte in Dichtung und Wahrheit über die »ganz eigne triste Stimmung«, in die ihn der Kaffee versetze und sieht schließlich den Kaffee als dämonischen, unheilbringenden Stoff. Am Kaffee entzündete sich ein Gesundheitsdiskurs, er galt wahlweise als Genussmittel, Medizin oder gar als Gift. Diese Diskussion hält bis heute an.