Geduld ist eine Kunst, und eine von den schweren.*

Die neu gestalteten Räume im Alten Rathaus

Von Ulrike Dura und Steffen Poser

Foto: Markus Scholz

Im Laufe der letzten Jahre haben wir Stück für Stück den Teil der Dauerausstellung im Alten Rathaus zur älteren Geschichte Leipzigs bis 1815 erneuert. Seit der Renovierung der ersten Etage 2020/21 harrten noch drei Themenräume auf der Seite zum Naschmarkt ihrer Neugestaltung. Nun aber ist es (fast) geschafft. Seit kurzem freuen wir uns, zur Beschäftigung mit Kunst und Kultur in Leipzigs »goldenem«Zeitalter, dem 18. Jh. und der Geschichte der Messe einzuladen, beides Themen, die wir in diesem Zeitabschnitt bisher schmerzlich vermisst haben.

Dauerausstellungen sind in jeder Hinsicht besonders aufwändig, was es nicht einfach macht, sie quasi neben dem laufenden Ausstellungsbetrieb grundlegend zu erneuern. Und wenn dann noch umfassende Sanierungen im Gebäude dazwischenkommen, sind Geduld, sehr viel Geduld und eben auch die entsprechenden Finanzen gefragt. Um es gleich vorweg zu nehmen, ohne die Hilfe Dritter, allen voran unseres Museumsfördervereins, hätten wir es wohl auch nicht geschafft. Unser Dank gilt auch der Landesstelle für Museumswesen Sachsen, ohne die wir die umfänglichen Arbeiten hätten so nicht umsetzen können. Dafür kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Foto: Markus Scholz

Auch wenn jeder Krämer seine Ware lobt, es sind wirklich ästhetisch schöne Räume geworden. »Bürger — Gärten — Handelshöfe« empfängt in einem wunderbaren Resedagrün, das Messethema entfaltet sich vor rosenholzfarbigem Hintergrund.

Passend zum Grün spielen in zwei Räumen die einstige Leipziger Gartenpracht und deren Initiatoren, die wohlhabenden Bürgerfamilien, eine Hauptrolle.

Foto: Markus Scholz

Daneben ist den Bürgersammlungen, den schönen Künsten, der Musik und den Wissenschaften Raum gegeben, die in Leipzig besonders im 18. Jh. einen fruchtbaren Boden fanden. Grundlage für all dies war natürlich auch hier ein materieller Wohlstand, der sich an der Pleiße vor allem auf den Handel gründete.

Foto: Markus Scholz

Dennoch steht im dritten Ausstellungsraum die Erfolgsgeschichte der Leipziger Messe nicht vordergründig im Mittelpunkt. Programmatisch trägt der Raum den Titel »Aus aller Herren Länder«. Nicht zufällig wird immer wieder deutlich: Ohne kräftige Zuwanderungen aus Regionen jenseits sächsischer Grenzen hätten Leipziger Handelsaristokratie wie Kunden, die Leipziger Messe nie zu einer der wichtigsten des europäischen Kontinents machen können. Zentrale Objekte des Raumes sind neben den zahlreichen hochbedeutenden Privilegien aus mehreren Jahrhunderten, eine der seltenen sächsischen Halbmeilensäulen, die nach 1763 die sächsische Verbindung mit Polen augenfällig machte oder eine beeindruckende Anzahl von Goldmünzen Leipziger Prägung. Der äußerst seltene Normalgewichtssatz mit 62 europäischen Pfundgewichten von 1719 gilt bei Fachleuten als der Rolls-Royce unter den Gewichten und erzählt eindrücklich vom einst weit gespannten Handelsnetz, das Leipzig mit (nahezu) aller Herren Länder verband. So alltäglich und entspannt der Umgang mit Fremdem in der Handelsmetropole auch war, gegenüber sozial Schwachen oder Menschen anderen Glaubens erwies sich die vielgepriesene Leipziger Toleranz allzu oft nur als dünner Firnis und ist damit auch ein Thema der Ausstellungssequenz.

Ein Quäntchen fehlt noch bis zur Fertigstellung der überarbeiteten Dauerausstellung. Die wunderbaren gemalten Bildtapeten, die einst Kochs Hof am Markt zierten, werden erst im Laufe des Jahres 2025 wieder zu sehen sein.

* Zitat: Friedrich Christoph Weisser (deutscher Schriftsteller, 1761—1836)