Lebendige Hoffnung

Matthias Klemm zum 85. Geburtstag

Matthias Klemm, Angeklagt der Anstiftung zum Frieden, Collage, 1982, Inv.-Nr.: V/280/2004

Die Sammlung des Museums beherbergt mehr als 50 Arbeiten des Leipziger Künstlers Matthias Klemm, etliche davon sind in der ständigen Ausstellung im Alten Rathaus zu sehen, wie zum Beispiel »Erfasst, geschunden und doch lebendig« von 1992, das sich mit der Stasi-Bespitzelung in der DDR-Zeit auseinandersetzt. Regelmäßig kamen in den letzten Jahren neue Werke hinzu, etwa ein grafischer Zyklus zur Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach oder Porträts der Gewandhauskapellmeister und Thomaskantoren der jüngsten Vergangenheit. Diese porträtiert Klemm zumeist beim Dirigieren in Momenten größter Konzentration und Dynamik.

„Ein künstlerischer Aufruf gegen Angst und Gleichgültigkeit“ heißt es über das Lebenswerk von Mathias Klemm in der Begründung zur Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Leipzig 2012.

Matthias Klemm wurde am 8. Mai 1941 in Bromberg (Bydgoszcz) geboren. Nach einer Ausbildung zum Werbegrafiker studierte er an den Kunsthochschulen in Dresden und Leipzig, wo er seit 1965 freischaffend tätig ist. Von Beginn seiner Laufbahn an arbeitete Matthias Klemm für kirchliche Institutionen und entwarf Plakate, Glasfenster sowie Innenraumgestaltungen. Verbunden mit seinem Engagement für die kirchliche Friedensbewegung wurde diese Arbeit in der DDR mit Argwohn betrachtet; die Mitgliedschaft im Verband bildender Künstler wurde ihm beispielsweise erschwert.

Besonders bekannt wurde seine großformatige Darstellung des gekreuzigten Christus mit der Überschrift »Angeklagt der Anstiftung zum Frieden« von 1982, die für die Thomaskirche entstand und vielen Kirchenbesucherinnen und -besuchern in Erinnerung geblieben ist. Heute ist auch diese zwei Meter breite Arbeit in der ständigen Ausstellung im Alten Rathaus zu sehen. Unmittelbar nach 1989 verarbeitete Klemm seine Erinnerungen an die Friedliche Revolution künstlerisch in den viel reproduzierten »Tagebuchblättern«, einem Werk von seltener Authentizität.

Die Stadt Leipzig zeichnete Matthias Klemm 2012 mit der Ehrenmedaille der Stadt für sein Lebenswerk aus

Matthias Klemm, Andris Nelsons dirigiert, Walztechnik/Kreide, 2018, Inv.-Nr.: K/2023/99

Aus Anlass seines Geburtstages zeigt das Museum von 1. April bis 28. Juni 2026 im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses eine Auswahl aus seinem Gesamtwerk. Der Eintritt ist kostenfrei.