Sommer in Grünau

50 Jahre WBS 70 auf der grünen Wiese

Autor: Tim Rood, Outreach & Museumsentwicklung am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

Karla Voigt: Auszug und Abschied

Am 1. Juni 1976 wurde der Grundstein für die Leipziger Großwohnsiedlung Grünau gelegt. Anlässlich dieses Jubiläums realisieren das Stadtgeschichtliche Museum und der OFT Völkerfreundschaft in diesem Jahr das partizipative Medienprojekt „Sommer in Grünau“.

Die teilnehmenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen befragen Menschen aus Grünau zu ihren persönlichen Sommererinnerungen. Dabei stehen Themen wie das Entspannen am Kulkwitzer See, Urlaub auf dem heimischen Balkon, das Aufwachsen und Leben in Grünau unter unterschiedlichen politischen Systemen sowie utopische Visionen des Zusammenlebens im Mittelpunkt. Ebenso werden die Auswirkungen der Sommermonate auf den Stadtteil im Wandel der Jahrzehnte beleuchtet. Auch schwierige Themen wie soziale Ungleichheit und Gewalt in den 1990er Jahren finden dabei ihren Platz.

Gemeinsam mit den Medienkunstschaffenden Lea Lader und Leon Kostner entstehen aus den Interviews kurze Videos (Reels), die sowohl in der Sonderausstellung „Sonne. Satt – Sommer in Leipzig“ als auch online veröffentlicht werden. Das Projekt stärkt demokratische Teilhabe, freiwilliges Engagement und Medienkompetenz und macht die vielfältigen Perspektiven eines häufig marginalisierten Stadtteils im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung sichtbar.

Finanziert wird das Vorhaben durch „Leipzig weiter denken“ aus dem Kommunalen Ehrenamtsbudget. Darüber hinaus entwickeln das Stadtgeschichtliche Museum und das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig gemeinsam ein Veranstaltungsprogramm zur Geschichte Grünaus. Geplant sind unter anderem ein Dia-Abend in der „Kleinen Kneipe“ sowie eine Veranstaltung zu den sogenannten Baseballschlägerjahren der 1990er Jahre im KOMM-Haus. Ergänzt wird das Programm durch Podiumsgespräche zu den in den 1980er Jahren neu gegründeten Kirchgemeinden, zur Siedlungsgeschichte Grünaus sowie zu internationalen Bezügen zwischen Grünau und dem Stadtteil Nowa Huta („Neue Hütte“) in der polnischen Partnerstadt Krakau.

»Von der Kuchengartenstraße nach Grünau«

Im Stadtteilladen Grünau ist vom 3. Juni bis 22. September 2026 die Foto-Ausstellung »Von der Kuchengartenstraße nach Grünau« von Karla Voigt zu sehen: Karla Voigt dokumentierte von 1979 bis 1981 im Rahmen ihrer Diplomarbeit den Umzug einer Hausgemeinschaft aus der desolaten Kuchengartenstraße 8 im Stadtteil Reudnitz in die neuen Plattenbauten mit Bad und Zentralheizung in der Großwohnsiedlung Grünau. Ihre sozialdokumentarische Arbeit zeigt Menschen, die trotz des Umzugs ihre sozialen Bindungen bewahrten, und hält das Leben zwischen Baustelle, Umzug und modernem Wohnen in Bild und Text fest.

Wir arbeiten mit Engagierten in Grünau zusammen, um vor Ort mit Menschen in den Austausch zu kommen. So wird ein Großteil des Programms in das dezentrale, mehrmonatige Festival »Grünauer Kultursommer« eingegliedert. Im gleichen Rahmen findet eine kleine Ausstellung zum Thema »Lebensgefühl Platte« im Zeitgeschichtlichen Forum — inkl. Verweis auf die WBS 70 Küche in der Dauerstellung im Alten Rathaus — statt.