Licht ins Dunkel der Gewölbe und Deutungen
Erschließung neuer Räume und Dimensionen
Von Dr. Anselm Hartinger, Geschäftsführer Stiftung Völkerschlachtdenkmal
Schwarz vom Kohlenstaub und der Patina vieler Jahrzehnte — als ein solches »Monstrum« ist das Völkerschlachtdenkmal heute noch vielen in Erinnerung. Seit dem Beginn der umfangreichen Generalsanierung 1997 hat sich jedoch einiges getan, und so leuchtet das Monument mittlerweile wieder in warmen Natursteintönen. Dazu trägt auch die mit Unterstützung des Fördervereins erneuerte LED-Beleuchtung bei, die die abendliche Illumination des Denkmals und die Ausleuchtung des vielbegangenen Geländes verlässlich und kostensensibel ermöglicht.

Im Inneren des Denkmals gibt es jedoch noch viel zu erschließen. Zwar führt der 2003 neugeschaffene Zugang über Fahrstuhl und Treppe heute vom Plateau durch den Denkmalskörper direkt auf die Kryptaebene. Die darunterliegenden gewaltigen Substrukturen konnte man bisher jedoch nur im Rahmen von Führungen erleben oder beim Blick durch die verschlossenen Glastüren erahnen. Auch die dort befindliche und inhaltlich so wichtige Ausstellung zur Idee, Geschichte und politischen Indienstnahme des Denkmals im 20. Jh. ließ sich bislang nur bei seltenen Gelegenheiten besuchen. Dieses Fehlen einer niedrigschwellig zugänglichen »Gebrauchsanweisung« für diesen in jeder Hinsicht gewaltigen Geschichtsort zu korrigieren, stand im Zentrum der gemeinsamen Anstrengungen von Stiftung und Förderverein im vergangenen Jahr. In diesem Zuge haben wir einen Teil der Fundamentgewölbe für alle Besuchenden geöffnet, wofür nicht zuletzt ein zweiter Fluchtweg gebaut und eine Aktualisierung der Geschichtspräsentation vorgenommen wurde.
So kommt nicht nur Licht ins Dunkel des Denkmalsinneren, sondern wir richten den Scheinwerfer auch stärker auf das erweiterte Erlebnis und tiefere Verständnis des beeindruckenden Giganten.

Und wenn es angesichts von mehr als 300.000 Besuchenden pro Jahr im heißen Sommer einmal etwas eng werden sollte auf den schmalen Treppen oben an der Plattform, dann bieten die neuerschlossenen Flächen im schattigen Denkmalskörper genügend Raum für ein erkenntnisreiches Atemholen.
Parallel dazu entstand eine Kommentarebene zu den vier Monumentalfiguren der Ruhmeshalle, die wir mit Hilfe von Persönlichkeiten aus der Stadtgesellschaft auf ihre aktuelle Bedeutung hin befragt haben. Dabei ging es nicht allein darum, die häufig miteinander verwechselten Verkörperungen der »Volkskraft«, »Glaubensstärke«, »Tapferkeit« und »Opferbereitschaft« richtig zuordnen zu können, sondern auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen teils auch historisch vereinnahmten Begriffen und Bedeutungsfeldern zu ermöglichen, die nicht allein und autoritativ vom Museum vorgegeben werden sollte. Und das ist erst der Anfang: Für 2027 planen wir den Umzug des auf der Militaria-Sammlung unseres Museums beruhenden Völkerschlacht-Museums »FORUM 1813« vom Seitengebäude ins Innere des Denkmals, was die grundlegende Funktion dieses Weltereignisses für das Denkmal hervorheben soll.


»Licht bringen« heißt natürlich auch »Orientierung geben« — und so geht das Denkmal seit einiger Zeit verstärkt mit bewährten und neuen Formaten wie etwa Podiumsdiskussionen, Chorkonzerten, Filmreihen und Spezialführungen an die Öffentlichkeit, um seine Rolle als unübersehbare Bühne für die großen Fragen unserer Zeit und Gesellschaft wirksamer denn je wahrzunehmen.
Für Oktober 2026 planen wir unter Federführung unseres neuen Denkmalskurators Dr. Crawford Matthews ein wissenschaftliches Symposium zu Fragen der Militär- und Besatzungsgeschichte Leipzigs, das auch die Brücke zu den gegenwärtigen sicherheitspolitischen Debatten rund um Krieg und Frieden heute in Europa schlagen soll.
Und gerade weil wir als erinnerungskultureller Leuchtturm so intensiv im Fokus einer wachen Öffentlichkeit stehen, ist es uns wichtig, künftig aktiver mitzuentscheiden, welche Art von Konzerten und Veranstaltungen zu diesem historisch sensiblen Ort passt und in seinem Umfeld stattfinden sollte.
Für all dies einschließlich des in Zeiten des Klimawandels besonders herausfordernden Bauerhalts brauchen wir weiterhin das bewährte Miteinander der Akteure in Stadt, Land, Museum und Bürgerschaft und natürlich das neugierige Interesse der Leipzigerinnen und Leipziger an ihrem Wahrzeichen.
Legen wir gemeinsam den Schalter um und schalten wir das Licht an für die Geheimnisse und Potentiale im Innern des Denkmals!