Menu

Freundschaft als belebender Hauch

Gerade in schwierigen Lebenslagen ist für viele Menschen der Kontakt zu befreundeten Menschen und Familienangehörigen unerhört wichtig. Wenn dann aber Beschränkungen den Kontakt erschweren, suchen wir beständig nach neuen Wegen der Kommunikation, senden unseren Liebsten auf unterschiedlichste Weise Zeichen der Verbundenheit und kramen manchmal alte Erinnerungsstücke wie etwa Fotoalben, Briefe, Postkarten und Poesiealben wieder hervor.

Dieser Faltfächer aus dem 18. Jahrhundert war nicht nur ein Modeaccessoire – er fungierte auch als Stammbuch, einer frühen Form des Freundschaftsbuches, die in der Zeit der Reformation populär wurde. Der Fächer gehörte vermutlich Rahel Johanna Erckel (1770–1844), die mit dem Leipziger Stadthauptmann Johann Gottfried Erckel verheiratet war. Das Gestell besteht aus Holz mit Elfenbeinintarsien und das florale Muster der Bespannung ist eine Aquarellzeichnung. Die Rückseite des Fächers nutzte Rahel Erckel als Stammbuch.
Zahlreiche Freundinnen und Freunde haben sich dort mit Widmungen und Freundschaftsbekundungen verewigt. Darunter auch ihr Cousin Christian Gottfried Körner, seine Frau Minna Stock sowie ihre Schwester Dora Stock. Körner und die Schwestern Stock gehörten zum engen Freundeskreis von Friedrich Schiller, der 1785 einen glücklichen Sommer in ihrer Gesellschaft in Leipzig und dem damals noch selbständigen Dorf Gohlis verlebte. Körner, der Fan, Gönner und lebenslange Freund Schillers, zitierte auf dem Fächer in sinnfällig abgewandelter Form aus Schillers Gedicht „Resignation“. Bei Schiller heißt es: „Des Leben May blüht einmal und nicht wieder, mir hat er abgeblüht“, Körner variiert die letzte Zeile: „Des Leben May blüht einmal und nicht wieder, Dir müß' er nicht vergebens blühen.“ Diese feinsinnige Korrektur spielt womöglich auf Schillers und Körners schicksalhaft gekreuzten Lebensweg an – kam Schiller doch just im Mai 1785 in einer persönlich und beruflich schwierigen Situation dank Körners großherziger Einladung in Gohlis wieder zu Atem und zu neuer Produktivität. Ein kreativer Schub, der sich etwa in der berühmten „Ode an die Freude“ und in der Arbeit am "Don Carlos" zeigte.

Inv.-Nr.: XXVII/32
Faltfächer, mit handschriftlichem Stammbuch auf der Rückseite, um 1790


Weitere Objekte können Sie in der Sammlungsdatenbank des Museums recherchieren