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Milde Gaben in schwerer Zeit

„Sammelbüchse“: Viele Leute denken da an freundliche Damen und Herren der Caritas, die noch manchmal in Einkaufspassagen für wohltätige Zwecke sammeln.
Mitte des 17. Jahrhunderts waren Sammelbüchsen viel verbreiteter als heute. Die älteste in unserem Museum aufbewahrte Spendendose zeugt davon, dass Bettler und Arme auch in einer Stadt, die bereits seit Ende des 16. Jahrhunderts als reicher Messeplatz beschrieben wird, zum Stadtbild gehörten. Die blecherne Dose mit dem unhandlichen Griff war in der Richterstube des Alten Rathauses öffentlich aufgestellt; hier sollten die zu Wohlstand gekommenen Leipziger Bürger ihren Obolus für die Armenfürsorge leisten. Eindringlich mahnt die Inschrift: „Gebet den Armen umb Gottes willen. 1652". Der fromme Wunsch wird unterstützt durch die Bemalung: Zu sehen ist der arme Lazarus, dessen Geschwüre von Hunden geleckt werden.

Die Inschrift verweist darauf, dass die Dose aufgestellt wurde, als der Leipziger Rat 1652 eine neue Bettelordnung verabschiedete. Die Einwohner hatten die schlimmsten Hungerjahre nach dem Dreißigjährigen Krieg zwar überstanden, trotzdem prägte „viel armes Volck“ den Alltag. Den einheimischen Armen gegenüber sollten sich die Leipziger großzügig zeigen. Die Bürger wurden allerdings ermahnt, keine „fremden“ Bettler zu beherbergen – zu groß war die Angst vor eingeschleppten Krankheiten wie Lepra oder Pest.

Die Verteilung der Spenden erfolgte einmal wöchentlich im Rathaus; über Einnahmen und Ausgaben wurde Buch geführt. Mit dieser geregelten Almosenvergabe installierte der städtische Rat einen Vorläufer der Wohlfahrtspflege. Wie alle Sammelbüchsen ist auch diese ein Ausdruck von Solidargemeinschaften in Krisenzeiten. Wie groß die Spendenbereitschaft wirklich war, verrät sie uns leider nicht mehr.

Inv.-Nr.: Me/92
Sammelbüchse, 1652, Blech, bemalt


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