Eröffnung der Ausstellung Sighard Gille. Camera obscura

03.06.2019

Ausstellung 5.6.-18.8.2019
Eröffnung: Di 4.6.,18 Uhr

In den vergangenen zwei Jahrzehnten widmete sich das Stadtgeschichtliche Museum kontinuierlich der Fotografie. In der Ausstellung präsentiert nun der bekannte Leipziger Maler Sighard Gille eine umfassende Schau seines fotografischen Werks mit der Lochkamera. Nicht das Dokumentarische steht hier im Zentrum, sondern das Künstlerische und in diesem Sinne etwas Ungewohntes, ja Befremdliches.

Die Camera obscura (lat. camera „Gewölbe"; obscura „dunkel") gilt als einer der ersten Apparate zum Projizieren von Bildern. In einem dunklen Raum fällt durch ein kleines Loch etwas Licht. Das außen platzierte Objekt wird mittels der von ihm reflektierten Lichtstrahlen durch das Loch auf die gegenüberliegende Innenseite des Raumes projiziert. Dort wird es kopfüber und spiegelverkehrt sichtbar.

Gille beschäftigt sich seit 1989 intensiv mit der Frühform der Camera obscura: der Lochkamera. Statt eines Objektivs besitzt diese nur eine winzige Öffnung als Lochblende. Durch diese wird ein Rollfilm dahinter belichtet. Lochdurchmesser, Intensität des Lichtes und Belichtungsdauer beeinflussen diesen Prozess maßgeblich. Vor allem die Verfremdung bekannter Objekte, welche durch die signifikante Weichzeichnung der Lochkamera entsteht, fasziniert Gille. Typisch ist auch, dass Bewegungen nicht darstellt werden. Sie verwischen oder verschwinden auf der entwickelten Aufnahme fast vollständig. Wie eingefroren und scheinbar menschenleer erscheinen so Metropolen wie New York, Rom oder London. Die Unschärfe ist charakteristisch für diese Technik.

Gille gelang es, die Lochkamera-Technik zu einer eigenen Kunstform zu entwickeln und neue Bildkompositionen zu schaffen. Beginnend mit den Fotografien, die während seiner ersten New York-Reise 1996 entstanden, zeigt die Ausstellung rund 60 Werke aus den Städten Rom, Jerusalem, London und Hamburg, wobei er die Konstruktion der Kamera immer wieder modifizierte.

Die rund 60 Lochkamerafotos mit Leipziger Motiven werden erstmals präsentiert. Gilles Fokus liegt darauf, Vertrautes zu verfremden und zu einem veränderten Blick auf Altbekanntes anzuregen.

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