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Prinzip Hoffnung

Auch wenn mittlerweile erste Lockerungen greifen, heißt das Gebot der Stunde noch immer: Sozialkontakte einschränken und möglichst zu Hause bleiben. Wie lange dieser Zustand anhalten wird, ist ungewiss. Da kann man schon mal die Nerven oder auch den Mut verlieren. Aufmunterung tut not.

Zu allen Zeiten haben Menschen einander Mut und Zuversicht zugesprochen oder stärkende Sinnsprüche auf den Weg gegeben. Im 18. und 19. Jahrhundert zirkulierten in Künstler- und Gelehrtenkreisen ambitionierte Stammbücher, deren Eintragungen mit einem möglichst selbst verfassten Gedicht oder bei Musikern mit einem Notenzitat versehen waren.

Das vorliegende Albumblatt stammt von Carl Friedrich Zöllner, dem Komponisten des Volksliedes „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Zöllner war die führende Persönlichkeit des mitteldeutschen Männerchorwesens; ein Denkmal im Rosental erinnert an den verdienstvollen Leipziger. Er schreibt dem unbekannten Adressaten einen Vers aus Christoph Martin Wielands Gedichtepos „Oberon“:

"Und wenn die Hoffnung auch den Untergrund verliert; so lasst uns fest an diesen Glauben halten: Ein einz’ger Augenblick kann alles umgestalten!"

Der Erstdruck von Wielands „Oberon“ stammt von 1780. Auch wenn Zöllner daraus vermutlich nichts vertont hat, so kannte er mit Sicherheit Carl Maria von Webers gleichnamige Oper, die im Dezember 1826 in Leipzig erstaufgeführt wurde. Das war nur drei Monate vor dem Albumeintrag, möglicherweise bezieht sich Zöllners Gruß auf dieses Opernerlebnis.

In der Corona-Pandemie wird es wohl nicht „ein einz’ger Augenblick“ sein, der wieder alles umgestalten und gut machen kann. Dennoch sollte man sich die Zukunftsfreude auf die Zeit nach Corona bewahren. Abwarten verlangt Mut. Dieser wird gar nicht so selten belohnt.

Signatur Bibliothek: A/2014/5011
Albumblatt von Carl Friedrich Zöllner, 1827


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