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Happy End?

Wer hat nicht Sehnsucht nach einem „Happy end“? Nach einem „Alles wird gut“ oder „Tutto andrà bene“, wie die Italiener es zurzeit von ihren Balkonen rufen, um sich in der Corona-Quarantäne gegenseitig Mut zuzusprechen. „Happy end“ heißt wörtlich übersetzt „glückliches Ende“ und stammt vom Englischen happy ending. Der Begriff wurde vor allem durch die Filmkunst etabliert und bezieht sich in der Regel auf einen Kinofilm, aber auch auf einen Roman oder eine Erzählung. Es ist damit jedes positive Ende einer Geschichte oder Ereignisfolge gemeint, die (auch) von Schwierigkeiten und Widrigkeiten geprägt war.

Das Veranstaltungsplakat mit diesem Titel verweist auf zwei Brecht-Weill-Abende Anfang März 1964. Auf dem Programm standen Songs aus der „Dreigroschenoper“ sowie den Songspielen „Das kleine Mahagonny“ und eben „Happy end“. Die Darbietungen fanden im Weißen Saal der Kongresshalle am Zoo statt, der von 1946 bis 1989 dem „Theater der Jungen Welt“ als Spielstätte diente. Die Besetzung war hochkarätig: „Mitglieder des Gewandhausorchesters“ wurden von Max Pommer dirigiert, der zu dieser Zeit die „Gruppe Neuer Musik Hanns Eisler“ leitete. Als Künstlerin wird unter anderem Vera Oelschlegel genannt, die in der DDR, aber auch international, als Brecht-Interpretin bekannt geworden war. 

Titelgebend für den Abend war mit „Happy end“ eine Gangsterkomödie mit Musik. Bertolt Brecht und seine Mitstreiter wollten damit an den Erfolg der „Dreigroschenoper“ von 1928 anknüpfen, was trotz einiger bekannter Stücke wie „Surabaya Johnny" oder dem „Bilbao Song" nicht gelang. Brecht hatte auf einen Text von Elisabeth Hauptmann zurückgegriffen und eigene Songtexte hinzugefügt, Kurt Weill die Vorlagen in bewährter Manier vertont. Die Story spielt in der Chicagoer Unterwelt; es geht um die wundersame (und zweifelhafte) Läuterung der schweren Jungs durch den Einsatz der Heilsarmee – und durch die Liebe.

Es ist sicher nicht verkehrt, in bestimmten Situationen auf ein Happy end zu warten und in unserem Kontext vor allem auf ein Wiederaufleben der in tiefe Not geratenen Bühnen- und Konzertkultur zu hoffen. Erzwingen lässt sich all dies leider nicht. Aus dem Jahr 1928 stammt ein anderer Text von Bertolt Brecht, die „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“. Dort heißt es lakonisch:

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Inv.-Nr. PL 64/238
Veranstaltungsplakat für einen Brecht-Abend in Leipzig,1964


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