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Sehnsucht nach Europa

Der bürgerschaftliche Aufbruch vom Herbst 1989 gehört zu den großen Ereignissen der Leipziger Geschichte. Neben dem urdemokratischen Widerstand gegen ein verkrustetes Regime sowie den massiven Verfall von Bausubstanz und Umwelt gehörte auch die Sehnsucht nach Freiheit im umfassenden Sinne zu den Forderungen der montäglichen Protestzüge. Der verständliche Wunsch, Mauern zu überwinden und endlich die in Leipzig meist nur für einige Messetage pro Jahr erahnbare weite Welt kennenzulernen, verlieh den Demonstrationen eine weit über die Stadt und Region hinausweisende europäische Dimension.

Dieser europäische Gedanke ist heute so wichtig, aber auch so gefährdet, wie lange nicht. Die Bekämpfung der Corona-Pandemie erzwingt Maßnahmen und Abgrenzungen, die längst überwunden schienen. Umso wichtiger ist es, dass Europa und der Zusammenhalt seiner Nationen im Eindämmungskampf jedes einzelnen Landes nicht in Vergessenheit geraten. Die tapferen Menschen in Mailand und Madrid sind heute ebenso unsere Schwestern und Brüder, wie die Krise und ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen nur in einer gemeinsamen solidarischen Kraftanstrengung zu meistern sein werden. Daran erinnert dieses Foto von der Demonstration am 23. Oktober 1989 auf dem Nikolaikirchhof. Aufgenommen wurde es von dem seit 1979 freiberuflich tätigen Fotographen Armin Kühne (Jahrgang 1940), der den "Leipziger Herbst 1989" besonders intensiv mit seiner Kamera begleitet hat.

Inv.-Nr. F/9778/1990
Demonstrationsszene, 23. Oktober 1989 (Foto: Armin Kühne)


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