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Not macht erfinderisch

Konsumiert man zurzeit die Nachrichten oder schaut sich im Internet um, könnte man meinen, gerade in schwierigen Zeiten entdecken wir ungeahnte Ressourcen an Einfallsreichtum und Erfindungsgabe. Es scheint ein Charakteristikum von Krisen überhaupt zu sein, dass sie nicht allein den Hamster, sondern auch die Erfinder und Improvisationskünstler in uns wachrufen.

Unser heutiges Objekt aus der Sammlung ist eine Gießkanne, gefertigt unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Behälter einer Gasmaske. Derartige „Umbauten“ gab es zuhauf. Milchkannen, Kochtöpfe, Bratpfannen, Küchensiebe, Kerzenhalter und sogar Kaffeekannen entstanden aus dem Schrott des Krieges. Was einst Menschen umbringen sollte, half jetzt, das Leben neu zu organisieren – Not macht erfinderisch! Wohltuend ist, dass unser Objekt einer auf den ersten Blick gar nicht so lebensnotwendigen Sache dienen sollte. Inmitten von Trümmerwüsten und der bohrenden Frage, wie es morgen weitergehen würde, sorgte sich da Jemand um seine Grünpflanzen. Das ist doch tröstlich: bei der tagtäglichen Jagd nach den essentiellen Dingen des Lebens partout nicht auf Jenes zu verzichten, was zum Menschsein dazugehört.  

Inv.-Nr V/366/2006
Gießkanne, gefertigt aus einer Gasmaskenhülle, nach 1945


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