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Seid fröhlich in Hoffnung

Der 6. Deutsche Evangelische Kirchentag 1954 fand vom 7. bis zum 11. Juli 1954 in Leipzig statt. Er stand unter dem biblischen Motto „Seid fröhlich in Hoffnung“ (Röm 12,12). Die Hauptversammlung gilt mit 650.000 Besuchern als die größte jemals bei einem Deutschen Evangelischen Kirchentag erlebte Zusammenkunft; zudem waren 60.000 Dauerteilnehmer angemeldet. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 war dies der letzte gesamtdeutsche Kirchentag.

Eingeladen hatte die Sächsische Landeskirche auf Initiative des Diakons Herbert Dost, der als Leiter der Leipziger Spielgemeinde vier Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte und am 17. Juni 1953 aus der Haft entlassen worden war. Schwerpunkt des Kirchentages war der Umgang mit dem Nationalsozialismus und dessen auch moralischer und geistiger Hinterlassenschaft. Da große Hallen in der noch vom Krieg gezeichneten Stadt Leipzig fehlten, nutzte man sogar den Sowjetischen Pavillon auf dem Gelände der Technischen Messe!

Die Hauptversammlung des Kirchentages fand am 11. Juli 1954 auf der Rosentalwiese statt. Der Regen, der kurz darauf zu einem Hochwasser in Sachsen führte, ebbte für den Moment nochmals ab. Mehr als eine halbe Million Menschen versammelten sich im Rosental und lebten ihre Glaubensfreiheit – ein Ereignis, das sich bei den Teilnehmern tief einprägte. Der Abschlussgottesdienst war ebenfalls am 11. Juli; er wurde auf der Festwiese gefeiert. Der Gottesdienst wurde von zwei auf einem Stahlgerüst aufgehängten Glocken eingeläutet. Dieses Gerüst sollte später einer Kirchengemeinde in Eisenhüttenstadt als Glockenturm dienen.

Dieses immens gemeinschaftsstiftende und auch stadtgeschichtlich bedeutsame Ereignis prägte eine ganze Generation von Christen in Leipzig. Dass das Plakatmotiv mit den beiden jungen Sängern vom Habitus und der Auftrittskleidung eines Knabenchores nach Art der Thomaner oder Kruzianer beeinflusst wurde, darf man durchaus annehmen.

Inv.-Nr.: K/2015/10
Plakat zum 6. Deutschen Evangelischen Kirchentag, Leipzig 1954 (Gestaltung: C. Rietschel)

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