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Krisenfinanzierung à la Moritz von Sachsen

In Krisenzeiten schießt er mit schöner Regelmäßigkeit aus dem Boden wie Pilze nach einem sommerlichen Regenguss – der „Ersatz“. Unsere Großeltern schaudern noch heute beim Gedanken an „Kaffee-Ersatz“ und „Igelit-Käse“; die einst als Kriegsbehelf für Butter kreierte Margarine thront noch heute auf manchem Frühstückstisch.
Inmitten all dieser Surrogate hat der Mensch sogar Ersatz für Geld erfunden! Stellen Sie sich vor, Sie sitzen als Befehlshaber mit Ihrer Truppe in einer vom Gegner belagerten Stadt fest und bevor sie weiterkämpfen, wollen Ihre Soldaten jetzt unbedingt ihren Lohn. Das Problem: Sie haben kein Geld zur Hand!

So erging es Herzog Moritz von Sachsen, den 1547 im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen katholischen und protestantischen Fürsten des Reiches sein Cousin Kurfürst Johann Friedrich in Leipzig belagerte. So ein Krieg ist teuer und Moritz wurde das Geld knapp. Doch hatte man nicht die Silbergeschirre und die goldenen Kirchenschätze des Stiftes Merseburg extra in die gut geschützte Messestadt geschafft? Die wurden jetzt kurzerhand „zweitverwendet“. Man schmolz einiges ein und klopfte anderes zu Platten. Im Rathaus fertigte man dann mit rasch hergestellten Prägestempeln rechteckige Münzen, sogenannte Klippen, zur Bezahlung der Soldaten. Der auf ihnen zu lesende Name des sächsischen Herzogs bürgte für die Qualität des Ersatzgeldes.
Den Brauch in Notzeiten „Ersatzgeld“ ausnahmsweise selbst herzustellen, hat man noch etliche Jahrhunderte weiter geübt, weit öfter nicht einmal aus Gold und Silber. Im Krieg gegen Napoleon gab es so etwas aus beschrifteten Pappstücken und im letzten Jahrhundert sogar aus Sperrholz.

Heute leben Geldscheine ohnehin nicht mehr vom in der Geschichte häufig manipulierten Materialwert des Edelmetalls, sondern vom Vertrauen aller an der Zirkulation Beteiligten in ihre volkwirtschaftliche Deckung und universale Akzeptanz. Und dieses Vertrauen wird es wohl bei der Bewältigung der aktuellen Krise noch hinreichend brauchen...

Inv.-Nr.: MS/81/2003, MS/602/2004
Sogenannte "Belagerungsklippen" und Prägestock, 1547


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