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Ein kostbarer Kelch für das Ende der Plage

Wir schreiben das Jahr 1632: Wieder einmal hatte die Pest Leipzig fest im Griff. In der Stadt mit ihren seinerzeit rund 13.000 Einwohnern wurde viel getan, um der Seuche Herr zu werden: Gebäude, in denen Betroffene wohnten, wurden abgeriegelt, Menschen mit Kontakt zu Pestkranken isoliert, vor Ansammlungen wurde ausdrücklich gewarnt. Ein- und ausgehende Personen und Transporte unterlagen an den Stadttoren strengen Kontrollen und sogar die Michaelismesse fand außerhalb der Mauern im nahegelegenen Wurzen statt. Die beiden vor den Stadtmauern gelegenen Lazarett- bzw. Pestilenzhäuser nahmen die Infizierten auf. Kurzfristig stellte der Stadtrat zusätzliche Ärzte, Hilfspersonal sowie Pfarrer ein, um die Vorsorge, Behandlung und Fürsorge sowie im damals sehr häufigen Todesfall menschenwürdige Bestattungen sicherzustellen.

Trotz aller Bemühungen standen die Menschen dieser Zeit den fast permanent grassierenden Epidemien weitgehend ohnmächtig gegenüber. Umso mehr sehnte man das Ende der als Strafe Gottes angesehenen Plage herbei und scheute weder Kosten noch Mühen, um entsprechende Sühnegaben anzufertigen. So stiftete ein Leipziger Bürger als Dank für das Abklingen der Pest im Jahr 1632 diesen vergoldeten Kelch einer Leipziger Kirche. Mit der Inschrift „Maria“ stellte er sich auch für künftige Zeiten demonstrativ unter den Schutz der Gottesmutter. Durch die Funktion als Abendmahlskelch wurde aus dem Bußwerk in Notzeiten ein die Gemeinde dauerhaft verbindendes Geschenk.

Inv.-Nr. ME 116
Abendmahlskelch, sog. Leipziger Pestkelch, 1632, Kupfer, vergoldet


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