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Für die Zukunft gerettet

Das Paar Herren-Eiskunstlaufstiefel ist wohl eher unspektakulär, es gibt sie in mehreren Ausführungen (auch für Frauen) in unseren Sammlungen. Bei diesen schwarzen Lederstiefeln mit Schnürung, Innenfutter aus Fell sowie aufgeschraubten Stahlkufen – sogenannte Complets – handelt es sich um die persönlichen Exemplare eines leidenschaftlichen Eiskunstläufers aus Leipzig.

Kurt Bärwinkel war gemeinsam mit seiner Frau ab etwa 1910 Mitglied im Verein Eissport Leipzig, dort im Vorstand tätig und als gelernter Grafiker für die Gestaltung der Vereinsdrucksachen zuständig. Die Liebe zum Eis und zum Eiskunstlauf muss damals in der ganzen Familie sehr groß gewesen sein; auch die Tochter der Bärwinkels stand schon als Kind auf den Kufen. Sie war es auch, die 2019 diese und weitere Stücke dem Sportmuseum übergab und eine anrührende Hintergrundgeschichte zu diesen Objekten zu erzählen wusste:
Während des schwersten Luftangriffes im Zweiten Weltkrieg auf Leipzig wurde am Morgen des 4. Dezember 1943 auch das Haus der Familie Bärwinkel zerstört. Zuvor konnten in aller Eile nur wenige persönliche Dinge zusammengepackt werden, die gerettet werden sollten. Dazu gehörten aber ausdrücklich auch die sperrigen Eiskunstlaufstiefel aller Familienmitglieder! Offenbar sah man in ihnen ein Stück unverzichtbare Lebensqualität und vor allem Lebensfreude – auch und besonders für die Zeit nach dem Krieg. Familie Bärwinkel war in den kalten Nachkriegswintern mit ihrem geretteten Kufenequipment dann wieder auf dem Leipziger Eis unterwegs.

Diese und viele weitere Sammlungsstücke werden Teil einer
Sonderausstellung zur facettenreichen Kulturgeschichte und bedrohten Zukunft des Winters
sein, die unser Museum voraussichtlich Ende 2020 zeigen wird.

Inv.-Nr. SM/2019/144 a,b
Eiskunstlaufstiefel, um 1910


Weitere Objekte können Sie in der Sammlungsdatenbank des Museums recherchieren