Menu

Es werde Licht!

Licht ist nicht nur ein Symbol des Göttlichen, Licht bringt auch Wärme und Erkenntnis. Und so wurden dieses Jahr im Erzgebirge entgegen sonstiger Tradition auch im März nochmals Schwibbögen in die Fenster gestellt, um Zeichen der Hoffnung in Zeiten von Corona zu setzen.

Licht lässt auch die Nacht zum Tag werden. Kerzen und kleine Öllampen waren viele Jahrhunderte die Helfer in der Dunkelheit, sie wurden aber eher im Haus genutzt. Erleuchtet wurden Straßen, Märkte, Plätze bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts nur vom Tageslicht. Der Nachtwächter trug lediglich eine Laterne bei sich – goldene Zeiten für Gangster und Gauner, aber schlechte Voraussetzungen für Ordnungshüter oder auch trunkene Wirtshausgäste.

Der kleine Kupferstich zeigt jenen Moment, der den Leipziger Alltag quasi revolutionierte, die erste Straßenbeleuchtung in der Stadt. Ihre Einführung ist mit einem allerdings persönlich zwielichtigen Bürgermeister verbunden, Franz Conrad Romanus. Die prächtige Fassade des Romanushauses in der Katharinenstraße erinnert bis heute an diese schillernde Figur.

Steht Romanus doch bis heute im Verdacht, Gelder veruntreut und ungedeckte Wechsel in Umlauf gebracht und dafür das Amtssiegel missbraucht zu haben. Wirklich verurteilt wurde er nicht – die Indizienkette konnte oder sollte vielleicht auch trotz mehr als vierzig Jahren Festungshaft auf dem Königstein nie geschlossen werden. Sicher ist hingegen, dass er Kurfürst August dem Starken sehr viel Geld aus städtischem Vermögen zur Verfügung stellte.

In Romanusʼ Amtszeit fallen jedoch eine Reihe von Neuerungen, die ihm in der Bürgerschaft viel Ansehen einbrachten. Von elementarer Bedeutung war dabei die erste Straßenbeleuchtung, die ab 8. November 1701 vorbereitet wurde. Die örtlichen Klempner verpflichteten sich, neben den normal gebräuchlichen Lampen auch 15 Ecklaternen Amsterdamer Art aufzustellen, die sich in Form und Verarbeitung qualitativ deutlich heraushoben. Sie waren dem Rat zuvor als Modell vorgelegt worden. Zum Weihnachtsabend 1701 brannten dann erstmals 700 Rüböllaternen in der Stadt, die von vier Laternenaufsehern und 18 Laternenwärtern betreut wurden. Sie arbeiteten nach einem festen Plan, der die Dienstzeiten für ein Jahr im Voraus festsetzte. Um sie vor Pöbeleien zu schützen, wurde ihre Belästigung durch kurfürstliches Dekret unter Strafe gestellt.

Leipzig war so noch vor Dresden die erste sächsische Stadt mit öffentlicher Beleuchtung und damit nicht nur eindeutig heller, sondern auch ein wenig sicherer geworden.

Inv.-Nr.: Mü.XIX/44
Erste Straßenbeleuchtung am 24. Dezember 1701, Kupferstich


Weitere Objekte können Sie in der Sammlungsdatenbank des Museums recherchieren