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Im Oktober 1813 wurde bei Leipzig Weltgeschichte geschrieben. Beinahe 500 000 Soldaten – Russen, Preußen, Österreicher und Schweden auf der einen, Napoleon und seine Verbündeten aus ganz Europa auf der anderen Seite – versuchten, die Geschicke des Kontinents in einer beispiellosen Schlacht zu entscheiden. Es war die bis dahin größte Schlacht der Menschheitsgeschichte und die blutigste dazu. Wenigstens 90 000 Menschen haben das Gemetzel vor den Toren Leipzigs mit dem Leben bezahlt, Tausende sind noch nach dem Sieg über Napoleon ihren Verwundungen und den ausbrechenden Seuchen zum Opfer gefallen.

Zumindest unmittelbar im Pulverdunst der Kämpfe aber hatte der Träger dieser Taschenuhr Glück. Statt ihn zu verletzen, traf eine bleierne Kugel nur die Uhr in der Westentasche. Wer das Sonntagskind war, wissen wir nicht. Es dürfte aber wahrscheinlich ein Offizier gewesen sein, konnte sich doch der einfache Soldat eine Uhr kaum leisten. Ob er zu den Siegern der Völkerschlacht gehörte oder Napoleons Adlern folgte, ist ebenfalls unbekannt. Für unsere Geschichte spielt es auch keine Rolle. Wer auch immer den zahllosen Massengräbern rund um Leipzig entgangen war, hatte jedenfalls das große Los gezogen – galt doch Fausts auf seine Todesstunde vorausblickendes Wort „Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen“ ihm so ausdrücklich noch nicht.

Wahrscheinlich hat unser Glückspilz nicht nur diesen gefährlichen Moment, sondern tatsächlich die gesamte Schlacht überlebt. Uhr und Kugel wurden in einem später eigens dafür gefertigten und mit Samt ausgeschlagenen Kästchen verwahrt. Einen solchen Aufwand betreibt nur, wer seinem Schutzengel ganz persönlich zu Dank verpflichtet ist. 

Inv.-Nr.: TU 80
Von einer Musketenkugel 1813 getroffene Taschenuhr, um 1810


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