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Erholung wie aus Tausendundeiner Nacht

Es gibt kaum jemanden, der von den Geschichten aus "Tausendundeiner Nacht" nicht gehört hat. Die faszinierende Märchensammlung gilt als eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur und als Sinnbild orientalischer Erzählkunst. Gerade in schwierigen Zeiten träumen wir uns gern an Orte der Einkehr und Erholung. Einer dieser Orte ist sicherlich das türkische Bad, das auch unter dem Namen „Hamam“ bekannt ist: angenehme Wärme, wohlriechende Düfte und traumhafte Stimmung, eben wie in tausendundeiner Nacht.

Hamam klingt als Wort mystisch und geheimnisvoll. Was aber verbirgt sich dahinter? Der Ursprung der Hamamkultur liegt in den ehemaligen Gebieten des Osmanischen Reiches. Zum einen spielte das türkische Bad eine wichtige Rolle in der Bade- und Körperkultur und diente zur religiösen Reinigung. Zum anderen war das Hamam ein Treffpunkt der Kommunikation, in dem freimütig geplaudert oder auch geklatscht werden konnte. Später gelangten Hamams nach orientalischem Vorbild auch nach Europa und natürlich in das weltläufige Leipzig.

Unsere Grafik zeigt die ehemaligen Türkischen Bäder in Gerhards Garten, der zu den ältesten Gärten in der Leipziger Westvorstadt gehörte und am sogenannten Naundörfchen in der heutigen Lessingstraße zu finden war. Der Garten ist in der Literatur auch unter den Namen der verschiedenen Vorbesitzer Richter, Hermann oder Reichenbach zu finden.

Die Familie Richter machte ihn zu einem der berühmtesten Gärten von Leipzig. Johann Zacharias Richter vereinigte bis 1740 mehrere kleinere Anwesen und gestaltete sie im holländischen und englischen Stil. Auch ein großes Herrenhaus mit einer Brücke als Zugang zum Garten errichtete er. Der Pavillon des Japanisches Hauses war seinerzeit eines der bekanntesten Bauwerke dieser Art. 1814 kaufte der Bankier Christian Wilhelm Reichenbach den Garten. Die Bade- und Wasserhäuser entstanden in diesem Zeitraum. Eines dieser Badehäuser mit der Form eines dorischen Säulentempels mit Kuppelabschluss ist auf dem kolorierten Kupferstich zu sehen, der selbst von der märchenhaften Stimmung eines paradiesischen Gartens inspiriert scheint. Im Hintergrund grüßt allerdings kein Minarett, sondern der massige Turm der Pleißenburg, des Vorgängerbaus des Neuen Rathauses.

1827 gelangte Christoph Wilhelm Leonhard Gerhard in den Besitz des Gartens. Er entwickelte die gesamte Anlage im englischen Stil weiter, vermarktete sie mit Konzerten sowie allerlei touristischen Attraktionen einschließlich der Napoleon- und Poniatowskiverehrung und hielt auch die unter Reichenbach entstandenen Badehäuser für Publikum in Schuss. In einem „Wegweiser für Einheimische und Fremde“ hieß es dazu 1843: „In zwei Badestübchen können zu allen Tagesstunden und bei jedem Wärmegrade Wannenbäder genommen werden.“

Inv.-Nr. 8390
Die Türkischen Bädern in Gerhards Garten, kolorierter Kupferstich (H. Winkler), nach 1827


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